VS in ver.di

Nachruf zum Tod von Harry Oberländer

15.01.2024

Wir trauern um Harry Oberländer. Der 1950 geborene Lyriker und Übersetzer starb in seinem Geburtsort Karlshafen.

Als Träger des Leonce-und-Lena-Preises (1973) hinterlässt er ein lyrisches Werk, das bleibende Bedeutung haben wird. Sein mit Jörg Burkhard und J. Monika Walther geschriebener Gedichtband „Ein paar Dinge von denen ich weiß“, erschien 1977 im renommierten Kramer Verlag in Berlin. Sein letzter Lyrikband „chronos krumlov“ kam 2015 in der edionfaust heraus.

Aufsehen erzielte er auch mit Übersetzungsarbeiten. Die Übertragung von Maya Angelous „I Know Why the Caged Bird Sings“ (Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt) ins Deutsche ist inzwischen im Suhrkamp Verlag erhältlich und erschien erstmals 1980 bei Stroemfeld.

Harry Oberländer hat stets für die materiellen und künstlerischen Interessen der Schriftsteller*innen gekämpft. In einem Interview für den Poetenladen mit Martina Weber äußerte er sich zur Frage von Literaturförderung sehr klar: „Es spricht jedenfalls dafür, dass sich die öffentliche Literaturförderung nicht zurückziehen darf. Es wäre sehr schädlich, wenn eine Literatur nur noch marktkonform wäre und nur noch ökonomische Interessen bedienen würde. Die konkrete Poesie beispielsweise hatte es in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts dank des Engagements des Luchterhand Verlages leichter als heute. Das war eine Literatur, die nie für ein Massenpublikum geschrieben wurde. So etwas muss auch weiterhin möglich sein.“

Harry Oberländer war langjähriger Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller*innen in Hessen und von 2010 bis 2016 Leiter des Hessischen Literaturforums im Mousonturm. Der VS, die deutsche Schriftstellergewerkschaft in ver.di, hat ihrem Mitglied Harry Oberländer viel zu danken. Er wird nicht vergessen werden.

 
Harry Oberländer

Der Vorstand des VS Hessen Julia Mantel, Michael Bloeck und Bernhard Bauser sowie Anja Willmann von ver.di, Fachgruppe Medien, Journalismus und Film erinnern in ihrem Nachruf an den Lyriker, Übersetzer, Vorsitzenden und Menschen Harry Oberländer:

Wir haben einen großen Verlust zu beklagen. Zum Tod von Harry Oberländer spricht der Verband der Schriftstellerinnen und Schriftsteller Hessen (VS in ver.di) den Hinterbliebenen, seiner Frau und seinen Söhnen, seine tiefe Trauer aus. Harry war Autor und preisgekrönter Lyriker, sein Leben aber widmete er zu einem großen Teil dem Netzwerken, der Nachwuchsförderung und Literaturvermittlung. Seine Überzeugung: Gemeinsam erreichen wir mehr als jeder für sich allein. Bekannt ist seine Mitarbeit im Hessischen Literaturbüro, im Hessischen Literaturforum und dem Hessischen Literaturrat, ebenso das Engagement bei der Edition Faust.

Er war aber auch langjähriges Mitglied des VS Hessen und von 2018 bis 2022 dessen Vorsitzender. In diese Zeit fiel, der Pandemie trotzend, 2021 die Organisation und Durchführung der zweitägigen Seligenstädter Literaturtage, die er als sehr beglückend empfand. Bis zuletzt betreute Harry den Facebook-Auftritt des VS Hessen. Vor einigen Jahren zog er aus Frankfurt in sein Elternhaus nach Bad Karlshafen, er liebte Spaziergänge, die Natur und das Fotografieren (siehe seinen persönlichen Facebook- Account!). Er zog sich aber nicht ins Private zurück. Harry besuchte und moderierte weiterhin Veranstaltungen, war auf der Buchmesse aktiv, wurde 2022 Gründungsmitglied des PEN Berlin. Wir vermissen seinen Zuspruch, seine loyalen und präzisen Auskünfte, seinen Kompass im literaturpolitischen Dschungel. Wir vermissen den Menschen Harry Oberländer.