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Nachruf zum Tod von Hellmut G. Haasis

07.03.2024

Der Verband deutscher Schriftsteller*innen trauert um sein Mitglied Hellmut G. Haasis.

Hellmut G. Haasis verstarb am 23. Februar 2024 kurz nach seinem 82. Geburtstag. Er lebte in Reutlingen in Baden-Württemberg. Hellmut G. Haasis wurde im Januar 1942 in Mühlacker im Kreis Pforzheim geboren, studierte Theologie, Geschichte, Soziologie und Politik in Tübingen, Marburg und Bonn, arbeitete als Dozent an der Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen und unternahm zahlreiche Studienreisen nach Italien. Geprägt von der APO (der Außerparlamentarischen Opposition) in den Jahren 1967 bis 1969 forschte und schrieb er vor allem über herrschaftskritische Basisbewegungen und publizierte dazu sein dreibändiges Werk »Die Spuren der Besiegten« (1984). Einer größeren Leserschaft bekannt wurde er vor allem durch seine Biographie des Hitler-Attentäters Georg Elser, die 1999 unter dem Titel »Den Hitler jag’ ich in die Luft« erschien. Mit diesem Buch stieß er die Würdigung Georg Elsers, der in der öffentlichen Gedenkkultur Deutschlands keine große Rolle gespielt hatte, maßgeblich mit an.

Hellmut G. Haasis engagierte sich kulturell für Kinder und trat als Märchenclown auf. Als Mundartdichter versuchte er den schwäbischen Dialekt lebendig zu halten. Er hat über dreißig Bücher veröffentlicht, aber auch Fernsehbeiträge, Theaterstücke und Hörspiele geschrieben. Er war unter anderem Mitglied des Förderkreises der Schriftsteller:innen Baden-Württemberg.

1990 bekam der den Thaddäus-Troll-Preis für seinen Mundartroman »Em Chrischdian sei Leich«, 1995 erhielt der den Civis-Medienpreis der ARD für sein Hörspiel »Jud Süß« im WDR, 1999 verlieht ihm die Stadt Aalen den Schubart-Preis für seine Biographie über Joseph Süß Oppenheimer und 2013 bekam der den Ludwieg-Uhland-Preis.

Er wird uns sehr fehlen.

Hier eine kleine Auswahl seines umfangreichen Schaffens:

  • Bibliographie zur linksrheinischen deutschen Revolutionsbewegung der Jahre 1792/1793. 1976
  • Jetz isch fai gnuag Hai honna. Schwäbische Gedichte. 1978
  • Edelweisspiraten – Erzählungen über eine wilde Jugendbewegung gegen die Nazis. 1996
  • Tod in Prag. Das Attentat auf Reinhard Heydrich. 2002
  • Volksbuch der verspotteten Päpste. Ein befreiendes Lachbuch. Freiheitsbaum, Paris/Reutlingen 2011
  • Totengedenkbuch für Joseph Süß Oppenheimer. 2012

Nachruf von Christine Lehmann