Faire Vergütung als Förderkriterium!

    Zur Bundestagswahl 2021 war es die zentrale Forderung der Kulturschaffenden in ver.di, dass branchenspezifische Mindesthonorare für Selbstständige zur Bedingung für die Förderung von Kunst, Kultur und kultureller Bildung aus Bundesmitteln werden.

    Mindesthonorare im Koalitionsvertrag

    Ohne eine deutliche Erhöhung der zum Teil erschreckend niedrigen Einkommen Kulturschaffender sind ausreichende soziale Absicherung und existenzsicherndes Arbeiten nicht möglich.

    Mit dem Koalitionsvertrag macht sich die Bundesregierung auf den Weg: „Zur besseren sozialen Sicherung freischaffender Künstlerinnen, Künstler und Kreativer werden wir Mindesthonorierungen in Förderrichtlinien des Bundes aufnehmen.“

    Bislang wurden öffentliche Gelder im Kulturbereich ausgeschüttet, ohne die Vergabe an soziale Standards zu binden. Es ist gut, dass der Bund als Teil des Fördersystems Verantwortung übernehmen will und plant, die Arbeit zu bezahlen, die in Kunst und Kultur steckt.

    Komplexität fair abbilden

    Allerdings müssen die zu entwickelnden Honoraruntergrenzen die Komplexität der unterschiedlichen Arbeitsformen im Kulturbereich beachten. Mal lässt sich ein Stunden- oder Tagessatz definieren, an anderer Stelle wird das fertige Werk als Berechnungsgrundlage dienen.

    Die Ausgestaltung der Mindesthonorare muss sicherstellen, dass eine bildende Künstlerin entlohnt wird, wenn sie sich an einer mit Bundesmitteln geförderten Ausstellung beteiligt, dass ein Autor für eine Lesung fair entlohnt wird, dass Musiker*innen einen Mindestbetrag pro Tag bekommen, wenn sie auf einem öffentlich geförderten Kulturfestival auftreten usw.

    Künstlerische Arbeit findet viele Ausdrucksformen, viele davon werden gefördert und jede Förderung muss an Mindesthonorare geknüpft werden – die noch dazu fair, vergleichbar und dynamisch sind.

    Tarifvertrag als Berechnungsgrundlage

    Wo es vergleichbare tarifliche Vereinbarungen gibt, müssen diese als Grundlage der Berechnung von Mindesthonoraren herangezogen werden – wir brauchen kein staatlich unterstütztes Dumping im Kulturbereich.

    Wir brauchen echte Wertschätzung für selbstständige Kulturschaffende, die Entlohnung ihrer Arbeit muss sich daher an der Entlohnung orientieren, die für angestellte Kulturschaffende ausgehandelt wurde.

    ver.di Kampagnen