Erwerbsrealität im Blick

    Wir streiten für eine Arbeitslosenversicherung, mit der alle Erwerbstätigen für Krisenzeiten und Einkommensausfälle vorsorgen können – also auch Selbstständige bzw. Freie und Honorarkräfte, die derzeit gegenüber Angestellten benachteiligt werden.

    Keine Sonderlösung für selbstständige Künstler*innen!

    Die Arbeitslosenversicherung in Deutschland ist offen für Selbstständige. Theoretisch. Denn die konkrete Ausgestaltung macht es vielen Versicherungswilligen schwer, sich gegen Krisen und Phasen ohne Erwerbsarbeit abzusichern.

    ver.di hält eine Sonderlösung für selbstständige Künstler*innen für politisch nicht durchsetzbar – und auch für unsolidarisch. Wir fordern ein Sozialsystem, das allen arbeitenden Menschen unabhängig von ihrem Status eine angemessene Absicherung ermöglicht. Dafür muss die Arbeitsrealität von Solo-Selbstständigen verstanden und ernst genommen werden. Das stellt das bestehende System der Arbeitslosenversicherung vor echte Herausforderungen. Das Ziel muss sein, dass Selbstständige die Möglichkeit bekommen, in einem solidarischen System für Krisen vorzusorgen.

     

    Für eine Pflichtversicherung auf Antrag!

    Die Selbstständigen in ver.di haben klare, branchenübergreifende Forderungen:

    • Die freiwillige Arbeitslosenversicherung soll in einem ersten Schritt zu einer Pflichtversicherung auf Antrag werden.

    • Beiträge und Leistungen sollen wie bei Arbeitnehmer*innen am realen Einkommen bemessen werden.

    • Der Ausschluss nach zweimaliger Inanspruchnahme gehört abgeschafft.

    • Die Versicherung soll offen für alle sein, auch für langjährig Selbstständige und Einsteiger*innen ohne Vorversicherung.

    Schon in der letzten Legislaturperiode hätte das Thema angegangen werden sollen. Auch der Koalitionsvertrag zum Kabinett Scholz (20. Bundestag) setzt den Zugang für Solo-Selbstständige zur Arbeitslosenversicherung auf die Agenda.

    Zentrale Herausforderungen

    Als Kulturgewerkschaft müssen wir darauf achten, dass die komplexe Erwerbsrealität von selbstständigen Künstler*innen und Kolleg*innen in der kulturellen Bildung mit beachtet wird. Dabei stehen drei Herausforderungen im Zentrum:

    1. Wann ist ein*e selbstständige*r Kulturschaffende*r arbeitslos und wann einfach zwischen zwei Aufträgen?

    2. Wie berechnen wir die Versicherungszeit für selbstständige Kulturschaffende? Wie können Vor- und Nachbereitungszeiten, Konzeption und Proben einbezogen werden?

    3. Gibt es Möglichkeiten, Auftraggeber*innen und Verwerter am Solidarsystem zu beteiligen?

    Das Ziel der Fachgruppen im Bereich Kunst und Kultur ist es, diese Perspektiven in den gewerkschaftlichen und politischen Prozess einzubringen.

    ver.di Kampagnen